CRA-Meldepflicht: 24 Stunden, ab Kenntnis
Seit dem 11. September 2026 gilt Artikel 14 des Cyber Resilience Act — auch für Maschinen, die längst ausgeliefert sind. Welche Fristen laufen, und was Sie dafür wissen müssen.
Siemens stellte auf der Hannover Messe 2026 die S7-1500V in den Mittelpunkt. Die virtuelle SPS ist damit gesetzt. Nur: Hardwarefrei heißt nicht herstellerfrei.

Die virtuelle SPS ist keine Wette mehr. Siemens hat auf der Hannover Messe 2026 die SIMATIC S7-1500V in den Mittelpunkt gestellt — eine Steuerung ohne eigene Hardware. Wenn der Marktführer eine Kategorie erklärt, ist die Frage nicht mehr, ob Steuerungen zu Software werden. Die Frage ist, wem diese Software danach gehört — und die beantwortet sich nicht automatisch mit.
Dieser Artikel richtet sich an Maschinen- und Anlagenbauer, die in den nächsten zwei bis drei Jahren über ihre Steuerungsarchitektur entscheiden.
Die S7-1500V ist eine vollständig virtuelle SPS auf Basis der S7-1500. Nach Siemens’ eigener Produktbeschreibung ist sie eine hardwareunabhängige Steuerung, die als Industrial-Edge-App geladen, zentral verwaltet und über die Industrial Edge Runtime ausgerollt wird; projektiert wird sie im TIA Portal. Die Zahl der Instanzen lässt sich am Bedarf ausrichten.
Auf der Hannover Messe 2026 hat Siemens drei Einstiege in Software-Defined Automation gezeigt: die virtuelle S7-1500, Industrial Edge für KI-Anwendungen und eine offene Engineering-Toolchain mit Paketverwaltung.
Das ist kein Messeexponat, sondern ein ernst gemeinter Schritt — und er ist gut für alle, die in dieser Kategorie arbeiten. Ein Markt, den der Größte erklärt, muss nicht mehr von den Kleinen erklärt werden.
Heute ist der Anteil virtueller Steuerungen am gesamten SPS-Markt klein: IoT Analytics spricht von einem niedrigen einstelligen Prozentbereich. Für 2030 hält dasselbe Haus es für möglich, dass ein Viertel der neu verkauften SPSen virtuell oder Soft-SPS ist.
Das ist eine Prognose, keine gemessene Zahl. IoT Analytics nennt die Bedingungen selbst: SIL3-Zertifizierung müsste bis dahin erreichbar sein, langsame Motion-Anwendungen abgesichert und zumindest kalte, vielleicht warme Redundanz gelöst.
Für Ihre Planung heißt das zweierlei:
Hier liegt der Punkt, den die Kategorie-Diskussion gern überspringt. „Unabhängig von der Hardware” beantwortet genau eine von zwei Fragen:
Eine virtuelle SPS löst Frage 1. Frage 2 kann sie offenlassen — oder neu stellen.
| Klassische SPS | Virtuelle SPS im Hersteller-Ökosystem | Virtuelle SPS auf offenen Standards | |
|---|---|---|---|
| Hardware frei wählbar | nein | ja | ja |
| Engineering-Werkzeug frei wählbar | nein | nein | ja |
| Betriebsplattform frei wählbar | entfällt | nein | ja |
| Betrieb im eigenen Rechenzentrum | entfällt | eingeschränkt | ja |
Das ist kein Vorwurf an Siemens. Ein Hersteller, der Steuerung, Engineering und Betriebsplattform aus einer Hand liefert, verkauft ein durchdachtes, funktionierendes Produkt — und für viele Anlagen ist genau das die richtige Wahl. Es ist nur eine Frage, die Sie vor dem Umstieg stellen sollten und nicht danach: Was genau haben Sie entkoppelt, wenn die Hardware wegfällt?
Eine Steuerungssoftware, die Sie heute schreiben, überlebt die Hardware, auf der sie startet. Der Moment, in dem Sie sie von der Hardware lösen, ist derselbe Moment, in dem Sie festlegen, worin sie künftig steckt: in einem Dateiformat, einer Engineering-Umgebung und einer Betriebsplattform. Diese Entscheidung wird einmal getroffen und dann fünfzehn Jahre lang mitgeschleppt.
Dazu kommt der regulatorische Takt. Seit dem 11. September 2026 gelten die Meldepflichten des Cyber Resilience Act für aktiv ausgenutzte Schwachstellen; voll anwendbar ist er ab dem 11. Dezember 2027. Wer eine Meldefrist von 24 Stunden einhalten will, muss wissen, welcher Softwarestand auf welcher Maschine im Feld läuft — unabhängig davon, von wem die Steuerung stammt. Wie das praktisch aussieht, steht auf unserer Seite zum Cyber Resilience Act.
Bei logiccloud werden Steuerungslogik, HMI und Konnektivität zu einer Automation App. Sie entwickeln in IEC 61131-3 Structured Text — einer Norm, nicht einem Herstellerformat. Danach entscheiden Sie getrennt davon, wo die App läuft:
Die Infrastruktur folgt der Anwendung, nicht umgekehrt. Und wenn sich die Hardwarelage ändert — Lieferzeiten, Preise, ein abgekündigtes Gerät —, wechseln Sie die Hardware und behalten die Software.
Mehr dazu auf der Seite zu logiccloud CONTROL und, wenn Sie von einer bestehenden proprietären Steuerung kommen, unter proprietäre Steuerungen ersetzen.
Wenn Sie gerade eine virtuelle SPS bewerten, egal von wem, stellen Sie diese Frage an den Anbieter:
Wenn wir in fünf Jahren die Betriebsplattform wechseln wollen — was genau nehmen wir mit, und in welchem Format?
Die Antwort sagt Ihnen mehr über die nächsten fünfzehn Jahre als jedes Datenblatt.
Sehen Sie sich an, wie eine Automation App bei uns entsteht — vom Structured Text bis zum Betrieb am Edge oder in der Cloud.
Quellen, geprüft am 12. September 2026